Ist der Naturgarten ein Garten für Faule? Schließlich regelt die Natur doch alles selbst, oder?
Die Antwort darauf ist ein klares Jein. Ja, der Naturgarten ist eher pflegeleicht. Und nein, ganz ohne Pflege geht es leider doch nicht. Wir zeigen dir, welche Pflege der Naturgarten braucht und welche Eingriffe nicht nötig sind.
Blumenwiesen pflegen
Wiesen mit blühenden Wildblumen über denen es nur so summt und brummt, dürfen in keinem Naturgarten fehlen. Sie bieten Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlingen, auch auch Kleinstnagern wie der Haselmaus Nahrung und Lebensraum. Dabei brauchen Blumenwiesen nur wenig Pflege.
Die Hauptarbeit machen Blumenwiesen nur in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Ansaht. In der Aussaht Phase müssen die Wiesen regelmäßig gegossen werden, damit das Saatgut keimt. Danach sähen sich die Pflanzen in der Regel selbst neu aus.
Zwar kann man bei Wiesen im Naturgarten prinzipiell auch ganz auf das Mähen verzichten, für Blumenwiesen empfiehlt es sich dennoch 1-2 Mal im Jahr zu mähen. Denn die Pflanzen, die auf Blumenwiesen wachsen, brauchen nährstoffarme Böden. Liese man das Mähen ganz sein, würde die tote Biomasse der im Winter abgestorbenen Pflanzen den Boden mit Nährstoffen anreichern. Für den Boden ist das prinzipiell okay, die gesähten Wildblumen werden dann aber nach und nach von der Blumenwiese verschwinden, bis nur noch normale Wiese übrig ist, da ihnen das Nährstoffangebot zu hoch ist.

Mähen im Naturgarten
Wie oben erwähnt, sollte eine Blumenwiese 1-2 Mal im Jahr gemäht werden. Dabei ist es sinnvoll, nicht immer die komplette Fläche auf einmal zu mähen, sondern Teilbereiche. So gibt es immer blühende Stellen und Orte, an denen sich Tiere zurückziehen können.
Wie gesagt ist der Naturgarten eine pflegeleichte Gartenart. Es wird so wenig wie möglich gemäht. Natürlich dürfen Wiesen, auf denen zum Beispiel Kinder Spielen regelmäßig gemäht werden. Der Großteil des Gartens darf jedoch wachsen.
Wer es ganz natürlich will, greift beim Mähen zur Sense. Aber auch der Balkenmähen oder Rasenmäher erfüllen ihren Zweck. Was auf keinen Fall in den Naturgarten gehört, ist ein Mähroboter. Der käme zum einen mit den hochwachsenden Wildblumenwiesen gar nicht zurecht. Zum anderen sind Mähroboter für Tiere nicht ungefährlich. Vor alle, wenn diese in den Abendstunden ihre Runden im Garten drehen, können Igel, Mäuse, Weinbergschnecken und andere Tiere von ihnen erfasst werden.
Schädlingsbekämpfung im Naturgarten
Eines ist im Naturgarten strengstens verboten: chemische Pestizide und Herbizide haben im naturnahen Garten nichts zu suchen! Das ist elementar für die Ansiedlung von Tieren im Garten.
Der Naturgärtner akzeptiert Mitbewohner im Garten. Fraßschäden an Blättern werden toleriert. Schließlich müssen Insekten nun mal fressen. Und in einem gesunden Ökosystem gibt es für jeden "Schädling" genügend Fressfeinde, die wiederum als Nahrung für andere Tiere dienen. Die Blattlaus zum Beispiel wird vom Marienkäfer gefressen und der wiederum von Vögeln. Entnimm auch befallene Pflanzen nicht gleich, sondern habe Geduld. Ist dein Ökosystem im Garten intakt, hält es Schädlinge auf einzelnen Pflanzen aus. Nehmen die Schädlinge doch überhand, verwende natürliche Mittel zur Schädlingsabwehr, wie Gesteinsmehle.

Pflege von Wildstaudenbeeten
Auch im Naturgarten gibt es Staudenbeete. Allerdings sollten diese aus heimischen Wildstauden bestehen, die Boden, Lichtverhältnisse und Wasserangebot am Beet-Standort angepasst sind. Solche Wildbeetstauden haben eine gewissen Dynamik. Regelmäßige Pflege, wie bei herkömmlichen Staudenbeeten, ist deshalb gar nicht erwünscht. Gerade bei Neuanpflanzungen darf aber bei Bedarf in den ersten Wochen gegossen werden, damit die Stauden gut anwachsen.
Auch Jäten ist im Wildstaudenbeet nicht völlig tabu. Sinnvoll kann es sein, wenn problematische Arten - z.B. invasive Neophyten, also gebietsfremde Arten, die sich stark ausbreiten und die heimische Flora verdrängen - sich versuchen im Wildstaudenbeet breit zu machen. Besonders in den ersten ein bis zwei Jahren, wenn das Staudenbeet noch nicht stabil entwickelt ist, ist es wichtig, solche Arten konsequent zu entfernen.
Düngen im Naturgarten
Ziel des Naturgartens ist es, ein Gleichgewicht zu erschaffen, in das möglichst wenig eingegriffen werden muss. Deshalb wird auch weder Torf noch synthetischer Dünger bzw. Mineraldünger genutzt. Soll der Boden in bestimmten Bereichen, zum Beispiel in Gemüsebeeten verbessert werden, sind mineralische Bodenhilfsstoffe wie Gesteinsmehle die bessere Wahl.
Verwechsle übrigens bitte auf keinen Fall Mineraldünger mit mineralischen Mitteln! Das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.
Mineraldünger ist ein industriell hergestelltes Düngemittel, das seine Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium) in Form von anorganischen Salzen oder synthetisch hergestellten Stoffen enthält. Mineralische Bodenhilfsstoffe hingegen sind rein natürliche Mittel. Meist werden sogenannte Steinmehle durch Brechen und Mahlen von Vulkan- oder Sedimentärgesteinen gewonnen. Vulkangesteine wie Diabas oder Sedimentgesteine wie Zeolith besitzen besondere mineralogische und chemische Zusammensetzungen, die viele wertvolle Mikronährstoffe und Spurenelemente enthalten, die für das Pflanzenwachstum und die langfristige Bodengesundheit und -fruchtbarkeit unerlässlich sind. Da sie dem Boden nicht nur kurzzeitig Nährstoffe bereitstellen, sondern ihn langfristig und nachhaltig verbessern, sind Steinmehle auch keine Dünger, sondern Bodenhilfsstoffe.
Gießen im Naturgarten
Da im Naturgarten die Pflanzen so ausgewählt werden, dass sie mit dem örtlichen Wasserangebot zurechtkommen, ist Gießen nicht üblich. Ausnahmen sind neue Anpflanzungen bei trockener, heißer Witterung und das ansäen von Blumenwiesen, wie oben erwähnt.
Auch im Gemüsegarten kommt man, vor allem im Gewächshaus, nicht immer ums Gießen herum. In dem Fall solltest du dir mit Regentonnen oder IBC-Tanks einen ordentlichen Vorrat an Regenwasser anlegen. Frischwasser aus der Leitung sollte in keinem Fall verschwendet werden. Wie intelligentes Wassermanagement - auch im Naturgarten - funktionieren kann, liest du ebenfalls in unserem Blog.
Laub und Heckenschnitt
Auch Laub unter Hecken und Gestrüpppen darf gern liegenbleiben. Die Laubschicht dient Tieren als Lebensraum und fungiert gleichzeitig als Mulchalternative. Abgestorbene Pflanzenteile müssen im Herbst auch nicht entfernt werden. Die Stängel der Brombeere zum Beispiel sind für Insekten ideale Überwinterungsorte.
Heckenschnitt sollte prinzipiell nicht in der Zeit von März bis August durchgeführt werden, da Vögel sonst beim Nisten gestört würden. Wenn die Hecke zum Nachbarn wuchert, darf aber natürlich zurückgestutzt werden. Ausufernde Heckenschnitte sind im Naturgarten sowieso nicht gern gesehen. Lieber achtet man schon beim Pflanzen darauf, dass an der Pflanzstelle genug Platz vorhaben ist, damit die Hecke ihre natürliche Größe erreichen kann, ohne ständigen Rückschnitt.
Ein Selbstläufer ist der Naturgarten also nicht - gerade in der Anfangsphase. Hat sich der Garten eingespielt wird er dir jedoch viel Freude machen, ohne ständige Gartenarbeit. Und den heimischen Tieren gefällt’s auch!